Sie sind hier: » Home » Aktuelles
Druckversion       

Aktuelles aus unserer Klinik



Hilfe für Mädchen mit schweren Brandverletzungen

In den Städtischen Kliniken Bielefeld wird zur Zeit die 12-jährige Antonica aus Angola behandelt.

Das Mädchen hatte sich Ende 2004 schwere Verbrennungen am Brustkorb und am Hals zugezogen, als eine umgefallene Kerosinlampe einen Hausbrand auslöste. In Angola wurden die Wunden lediglich mit einfachen Verbänden behandelt. Eine operative Versorgung war nicht möglich.

Über das Friedensdorf International in Dinslaken wurde der Kontakt zu den Städtischen Kliniken Bielefeld hergestellt und der Geschäftsführer Dr. Johannes Kramer stimmte der unentgeltlichen Behandlung der jungen Patientin zu.

Antonica wurde am 7. Mai vom Roten Kreuz am Flughafen in Frankfurt empfangen. Sie war trotz der niedrigen Temperatur von ca. 8 Grad lediglich mit einer dünnen Bluse, einem Minirock und Sandaletten bekleidet. Das verängstigte Mädchen hatte keinerlei Gepäck und nur eine Nummer auf dem Handrücken zur Identifizierung. Antonica wurde von Ärzten und Pflegepersonal der Städtischen Kliniken herzlich aufgenommen und sofort mit Kleidung und allem Notwendigen ausgestattet. Die Physiotherapeutin Maria-Auxiliadora Reichelt half als Dolmetscherin bei der Verständigung.

Das Mädchen hatte derbe Narbenzüge um den Mund mit einer Verziehung des Mundwinkels, Verletzungen an beiden Ohren, sowie große offene Wunden am Hals und auf der rechten Seite des Brustkorbs. Die rechte Brustwarze war verbrannt. Durch die Narben in der Achselhöhle konnte Antonica das Schultergelenk kaum bewegen.

Der Chefarzt der Klinik für Plastische Chirurgie, Prof. Dr. med. Hisham Fansa und die Fachärztin Frau Dr. med. Simone Brüner übernahmen die medizinische und operative Versorgung.

Als erste Maßnahme wurden über fast 2 Wochen die Wunden täglich abgeduscht und gepflegt, bis am 20. Mai die erste Operation stattfinden konnte. Dabei wurde das wild wuchernde Narbengewebe am Brustkorb und Hals operativ abgetragen und anschließend eine Hauttransplantation vorgenommen.

Die Operation und die Pflege der transplantierten Haut war sehr aufwändig, aber das Ergebnis hat alle Mühen belohnt. Die Haut ist komplikationslos über die große Fläche eingeheilt. Antonica bekam ein spezielles Mieder, das vom Orthopädiehaus Stuke gestiftet wurde, um ein Zusammenziehen der Haut im weiteren Verlauf des Heilungsprozesses zu verhindern.

Jetzt kann der nächste Schritt der Narbenkorrektur stattfinden. Die Narben in der Achselhöhle werden in einer weiteren Operation korrigiert, damit Antonica ihren rechten Arm wieder besser bewegen kann und auch der Mund wird aus optischen Gründen noch einmal operiert.

Wahrscheinlich werden im Verlauf des Wachstums des jungen Mädchens noch weitere chirurgische Maßnahmen notwendig. So ist beispielsweise nicht sicher, ob sich die rechte Brust normal entwickeln wird oder ob die Narben zu einer Verziehung der Brust führen werden. Fest steht, dass nach Abschluss der Pubertät zumindest die Brustwarze der jungen Patientin plastisch rekonstruiert werden muss.

Die vielen Operationen sind insgesamt ein langer und beschwerlicher Weg für Antonica, aber das gute Ergebnis und die Freude des Mädchens machen ihn sinnvoll.

September 2005 Hilfe für Jungen aus Tadschikistan

Idibek Khalimov ist ein 7 Jahre alter Junge aus Tadschikistan. 1999 erlitt er einen häuslichen Unfall, wobei seine rechte Gesichtshälfte mit heißem Wasser verbrüht wurde. Dadurch verlor er sein rechtes Auge und sein Gesicht wurde durch Narben entstellt.

Er hatte jedoch Glück im Unglück, denn das Friedensdorf International nahm sich des Jungen an und sorgte dafür, dass er zur ärztlichen Versorgung nach Deutschland kam.

Im Juni 2004 wurde Idibek in den Städtischen Kliniken Bielefeld aufgenommen. Die Ärzte der Klinik für Plastische, Wiederherstellungs- und Ästhetische Chirurgie und der Klinik für Augenheilkunde arbeiteten Hand in Hand, um dem Jungen zu helfen. Da das rechte Auge zu schwer verletzt war, um es erhalten zu können, mussten die Reste entfernt werden und außerdem die Narben im Gesicht in einer aufwändigen, mehrstündigen Operation durch eine mikrochirurgische Transplantation von Haut und Fettgewebe vom Rücken verschlossen werden. Im Verlauf des Jahres erfolgten dann noch mehrere kleinere Operationen zur Ausformung des Gesichtes.

Nach Spende einer Kinderbrille durch den Optiker Wolfgang Bleyer aus Enger konnte dann die Epithetikerin, Frau Sandmann aus Münster, für Idibek ein neues künstliches Auge formen.

Inzwischen geht es Idibek wieder gut. Ärzte, Krankenschwestern und auch die anderen Patienten haben den lebhaften und fröhlichen Jungen bereits ins Herz geschlossen.

Nach der letzten geplanten Operation im Januar 2005 kann Idibek voraussichtlich bald wieder in seine Heimat zurückkehren. Die Ärzte sind zuversichtlich, dass er dort ohne Probleme in das Alltagsleben integriert werden kann.

Januar 2005